Ein CEO-Leitfaden zur Erreichung einer ausgewogenen Work-Life-Balance

Craig Malloy, CEO von Lifesize
Datum: 20. März 2018

Hallo zusammen und willkommen bei einer neuen Ausgabe von Lifesize Live! Die Live-Web-Show, die komplett über die Lifesize-Plattform produziert wird.

Ich bin Ihr Moderator, Julian Fields. Mein heutiger Gast ist auf vielfachen Wunsch erneut Craig Malloy, den ich heute bereits zum zweiten Mal begrüße.

Hi, Julian.

Willkommen zurück.

Vielen Dank. Ich freue mich, wieder hier zu sein.

Heute sprechen wir über die Work-Life-Balance. Wir überlegten ein wenig, wen wir einladen könnten, und kamen zu dem Schluss, dass es der CEO sein sollte, da CEOs ja bekanntlich eine gute Work-Life-Balance haben.

Manchmal ist deren Work-Life-Balance auch nicht so gut, was dann eher problematisch wird.

Doch gerade jemand, der Schwierigkeiten hat, eine ausgewogene Work-Life-Balance zu finden, kann wertvolle Erkenntnisse daraus ziehen und diese mit uns teilen. Welchen Stellenwert hat denn die Work-Life-Balance für Sie?

Die Work-Life-Balance ist unglaublich wichtig. Ich persönlich habe, wie viele andere CEOs auch, permanent die Arbeit im Kopf. Wenn ich wach bin und ich nicht gerade mit meinen Kindern spiele oder etwas mit meiner Familie unternehme, denke ich an die Firma. Ich nehme eine Dusche und denke währenddessen an die Arbeit. Ich bin mit dem Rad unterwegs und denke währenddessen an die Arbeit. Ich gehe schwimmen und denke währenddessen an die Arbeit. Es geht nicht nur darum, einfach nur da zu sein. Man muss vielmehr im Kopf abschalten und sich förmlich dazu zwingen, nicht an die Arbeit zu denken, um sich voll und ganz der Familie widmen zu können. Das ist wahrscheinlich das Wichtigste: nicht nur körperliche Anwesenheit, sondern auch mental bei der Sache zu sein – und das ist gar nicht so einfach. Auch mir gelingt das nicht immer perfekt. Aber nach 35 Jahren Berufserfahrung weiß ich mittlerweile, was für mich und meine Familie funktioniert.

Es ist interessant, dass Sie sagen, Sie würden beim Duschen an die Arbeit denken, und dass das unfreiwillig passiert. Ich glaube, dass das auch viele kreative Impulse liefern kann. Es gibt wahrscheinlich diese Schlüsselmomente, in denen Sie eine Idee haben, während Sie gerade darüber nachdenken, was Sie arbeitstechnisch noch erledigen müssen. Und das muss nicht unbedingt am PC sein.

Letzte Woche waren wir während der Frühlingsferien in Mexiko, genau genommen in Punta Mita. Dort hatten wir ein Haus mit Blick auf den Strand und das Meer. Meine Familie ging ohne mich an den Strand, damit ich ein paar Stunden arbeiten konnte. Und Sie haben Recht: Wenn man nicht im Büro ist, sondern sein gewohntes Arbeitsumfeld verlässt, dann denkt man in viel kreativeren Bahnen. Sie sehen nicht die ganzen Kollegen im Büro, bei denen allein die Anwesenheit einen schon daran erinnert, was man noch alles erledigen muss. Außerdem kann man so eine Pause einlegen und einen Schritt zurücktreten. Ich weiß noch, dass ich dachte: „Wow, ich sollte das häufiger machen und etwas kreativer werden.“

Hier können wir gleich an einen interessanten Punkt anknüpfen, der beim Thema Work-Life-Balance eine wichtige Rolle spielt: Urlaub. Was machen Sie beispielsweise im Urlaub, um diese beiden Aspekte – also Leben und Arbeit – miteinander in Einklang zu bringen?

Grundsätzlich denke ich, dass jeder Mensch den für sich passenden Weg finden muss. Ich persönlich bin Frühaufsteher, das heißt, ich springe zeitig aus dem Bett, mache mir einen Kaffee und setze mich – wenn es das Wetter erlaubt und ich an einem schönen Ort bin – nach draußen. Dort checke ich meine Mails, was etwa eine halbe Stunde dauert, und erledige ein wenig Arbeit. Ich kümmere mich um alles, was in meinem Kopf herumschwirrt, und wenn der Rest meiner Familie dann irgendwann aufwacht, bin ich schon fertig. Theoretisch muss ich dann den ganzen Tag nichts mehr machen, es sei denn, es passiert etwas Unvorhergesehenes oder jemand ruft mich an oder schreibt mir eine SMS. Normalerweise schaue ich erst am nächsten Tag wieder in mein E-Mail-Postfach. So habe ich etwas erledigt, damit ich nicht das Gefühl habe, zu viel nacharbeiten zu müssen, wenn ich wieder da bin. Außerdem entgeht mir auf diese Weise nichts Wichtiges und ich bin trotzdem den ganzen Tag beruhigt und kann abschalten und meinen Urlaubstag genießen. Das mache ich praktisch jeden Tag, d. h. mich für etwa eine halbe Stunde einloggen. Ich versuche es immer so einzurichten, dass ich während meines Urlaubs keine Meetings plane, es sei denn, es steht ein sehr wichtiges Gespräch an, zum Beispiel für ein Fundraising oder mit einem Investor. Oder falls es ein dringendes Problem auf Kundenseite gibt. Aber ich versuche, wenigstens ein bisschen etwas abzuarbeiten und dann für den Rest des Tages im wahrsten Sinne des Wortes abzuschalten.

So schaffen Sie es natürlich, auf dem Laufenden zu bleiben. Wenn Sie dann später beim Kitesurfen sind, können Sie noch ein wenig über Ihre Ideen und solche Dinge nachdenken.

Genau genommen traditionelles Surfen, nicht Kitesurfen.

Verstehe. Hatten Sie einen schönen Urlaub?

Ja, er war großartig. Es hat wirklich gut getan.

Kommen wir weg vom Urlaub und reden über berufsbedingtes Reisen. Sie müssen Geschäftsreisen machen und das offenbar sehr häufig. Man hat das Gefühl, je höher man aufsteigt, desto mehr gehören geschäftliche Reisen dazu?

Mein Unternehmen bietet Lösungen für Videokommunikation an, weshalb ich häufig Videokonferenzen für die Erledigung meiner Arbeit einsetze. Das ist sehr hilfreich, aber manchmal muss ich auch persönlich vor Ort sein. Auf Geschäftsreisen bin ich die ganze Zeit online. Wenn ich am Flughafen bin oder in einem Hotel oder sogar im Flugzeug (wo es neuerdings immer häufiger WLAN gibt), kann ich viel erledigen. Ich schalte quasi die ganze Zeit nicht ab. Ich versuche, mich jeden Tag oder manchmal auch mehrmals am Tag bei meiner Frau und meinen Kindern zu melden. Mal nur per SMS, mal per Videoanruf oder irgendwie am Abend. Auf Geschäftsreisen arbeitet man die ganze Zeit. Ein weiterer Aspekt bei der Work-Life-Balance ist es, wie man es schafft, sie in die tägliche Routine zu integrieren. Haben Sie Ihr Handy auf dem Nachttisch und checken Sie als erstes nach dem Aufwachen Ihre neuen E-Mails? Ich lasse mein Handy zum Beispiel absichtlich über Nacht im Erdgeschoss in der Küche.

Klingt nach einem guten Tipp.

Mein Handy hat nichts im meinem Schlafzimmer verloren, es darf nicht mal mit nach oben. Ich öffne mein E-Mail-Postfach erst, wenn ich morgens ins Büro komme. Die Tage, an denen ich morgens zu Hause bin, gehören mir und meiner Familie. Ich möchte in Ruhe aufwachen, meine Kinder sehen, die Nachrichten lesen und frühstücken. Ich will nicht pausenlos mit Arbeit bombardiert werden. Wenn man sich morgens Zeit für sich nimmt, macht das den Kopf frei. Ganz besonders mag ich es, beim Frühstücken die Nachrichten zu lesen. Ich informiere mich in verschiedenen Medien, was es in der Wirtschaft und in der Finanzwelt Neues gibt und was auf der Welt so passiert ist. Im Sommer schlafen meine Kinder zu dieser Zeit noch und während des Schuljahres sind sie schon in der Schule.

Lässt sich daraus ableiten, dass man arbeiten sollte, solange die Kinder schlafen?

Ja! Arbeiten Sie, während Ihre Kinder schlafen, und Sie werden niemals in Schwierigkeiten geraten.

Na also!

Ich kenne tatsächlich so ein paar Exemplare, bei denen die Ehefrauen die Handys im Zimmersafe des Hotels wegschließen – so wenig Selbstkontrolle haben diese Männer. Ich versuche selbst, mein Handy wegzulegen, wenn ich zu Hause bin. Unter der Woche essen wir abends immer gemeinsam mit der Familie. Deshalb versuche ich, so gegen 18 Uhr, spätestens halb 7 zu Hause zu sein.

Dann muss die Verkehrslage aber mitspielen?

Deshalb lebe ich nicht so weit von der Arbeit entfernt. Das Büro ist nicht umsonst an diesem Standort.

Tipp Nummer zwei: Verkürzen Sie Ihren Arbeitsweg.

Ich hatte schon Jobs mit einem Arbeitsweg von eineinhalb Stunden, für eine Strecke! Das macht einen kaputt. Am Ende fehlen einem drei Stunden vom Tag. Das zehrt an den Nerven und ist es absolut nicht wert. Heutzutage brauche ich morgens 7 Minuten ins Büro und am späten Nachmittag fahre ich 12 Minuten nach Hause.

Eine Sache, auf die wir beim Thema Videokonferenzen immer wieder zu sprechen kommen, ist es, den typischen Berufsverkehr zu umgehen. So könnte man die erste Stunde des Tages von Zuhause aus arbeiten und anschließend in Ruhe und ohne Berufsverkehrstau zur Arbeit fahren?

Genau, und Sie fühlen sich wahrscheinlich viel produktiver. Das ist ein guter Ansatz. Sobald ich nach Hause komme, versuche ich, alles für den Tag zu erledigen. Anschließend schaue ich bis zum nächsten Morgen nicht mehr in meine E-Mails oder auf mein Handy, es sei denn, es ist ein Notfall. Ich brauche diese abgeschaltete Zeit für mich. Unbedingt. Wenn ich als CEO nach dem Abendessen – und sobald meine Kinder im Bett sind – um 21 Uhr noch online bin und ich E-Mails an meine Onlinemitarbeiter herausschicke …

Wenn Sie mir eine E-Mail schreiben, antworte ich.

Ja, und plötzlich arbeitet das ganze Unternehmen um 21 Uhr noch. Das tut doch keinem gut.

Also legen Sie mit Ihrer Einstellung fest, was im Unternehmen generell erwartet wird?

Genau, das mache ich. Denn ich bin überzeugt davon, dass es nicht nur meiner Gesundheit gut tut ist, sondern den Ton für das gesamte Unternehmen vorgibt. Manchmal passiert natürlich auch bei uns etwas Unvorhergesehenes, was sich nicht aufschieben lässt. Ein Server fällt aus oder es gibt ein Problem auf Kundenseite. Darum muss man sich dann sofort kümmern. Aber im normalen Geschäftsalltag versuche ich, abzuschalten, wenn ich nach Hause komme. Ich habe fünf Kinder mit relativ großem Altersabstand dazwischen: Drei sind mit 24, 27 und 29 Jahren bereits erwachsen. Die beiden Kleinen hingegen sind erst 12 und 10. Ich möchte jetzt eigentlich nicht sagen, dass ich damals nicht mein Bestes gegeben habe. Aber ich war bei den älteren Kindern vermutlich nicht so präsent, wie ich es hätte sein können. Ich stand noch am Anfang meiner Karriere und habe sehr viel gearbeitet. Mir war damals nicht klar, dass Kinder so schnell groß werden. Bei den beiden Jüngsten achte ich jetzt bewusst darauf, viel häufiger anwesend zu sein. Denn Kinder werden so schnell erwachsen. Ich möchte das miterleben und nichts verpassen. Es ist auch für sie wichtig, dass ich da und greifbar und ein guter Vater bin. Mir ist es wichtig, dass ich diese Zeit nicht verpasse. Seit etwa 10 Jahren achte ich viel mehr auf meine Work-Life-Balance, was in den 20 Jahren davor eher nicht der Fall war.

Das ist interessant. Ich glaube, uns rennt gerade die Zeit davon. Ich würde Sie zum Ende gerne noch bitten, ein paar abschließende Worte in puncto Work-Life-Balance an alle angehenden Unternehmer zu richten.

Gerne. Ich glaube ein Spruch bringt es gut auf den Punkt: „Happy wife, happy life!“ bzw. ist die Ehefrau glücklich, stimmt der Rest auch. Ich denke, diese Redewendung haben wir alle schon mal gehört, und da ist wirklich was dran. Kinder werden schneller groß als man glaubt. Deshalb sollte man anwesend sein.

Ich bin seit einem Monat Vater. Mein Baby drückt sich jetzt schon mit den Armen hoch. Ich weiß also, was Sie meinen.

Das geht alles so schnell und ehe man sich versieht, sind die Kinder ausgezogen und irgendwo an der Uni. Seien Sie präsent.

Vielen Dank für Ihren erneuten Besuch, Craig. Wir freuen uns, dass Sie sich noch einmal die Zeit genommen haben.

Gern geschehen!

Das war bestimmt nicht das letzte Mal, ich würde gerne noch zu anderen Themen mit Ihnen sprechen.

Vielen Dank, Julian.

Falls Sie da draußen irgendwelche Fragen haben, schicken Sie diese bitte an @lifesizeHD bei Twitter, Instagram, Facebook oder auf einem anderen beliebigen Social-Media-Kanal. Wir melden uns dann gerne bei Ihnen zurück. In jedem Fall vielen Dank, dass Sie dabei waren. Bis zum nächsten Mal.

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